Mädchen, 1983

Karin, die norwegisch-schwedische Ich-Erzählerin, leidet unter depressiven Phasen, die auf mehrfachen sexuellen und psychologischen Missbrauch zurückzuführen sind, den sie als junge Frau mit 16 Jahren erlebt hat. In bruchstückhaften Erinnerungen Mädchen, 1983 erzählt sie von ihrem Traum, Model zu werden. Sie lebt bei ihrer norwegischen Mutter, die eine beliebte Schauspielerin ist, in New York City und wird dort von einem Modefotografen entdeckt. Der 45-jährige Mann lädt sie zu Shootings nach Paris, was Karin entgegen den Wünschen ihrer Mutter annimmt. In dem rauen Milieu der Mode-Welt ist sie dem Mobbing der anderen Models und den sexuellen Übergriffen des Fotografen, seines Managers und mehrerer anderer Männer schutzlos ausgeliefert. Nach ihrer Rückkehr zur Mutter kann sie sich ihr gegenüber nicht öffnen. Erst als fast 40 Jahre später die depressiven Phasen ihren Höhepunkt erreichen, beginnt Karin, die Erlebnisse in einem Buch festzuhalten und aufzuarbeiten. – Die beeindruckende Ich-Erzählung geht beim Lesen sehr nahe. Der Schmerz und die Unsicherheit der Jugendlichen genauso wie die Zweifel und die reflektierenden Selbstgespräche mit einer imaginären Schwester der Erwachsenen. Aber es ist auch eine tiefgründige Entschlossenheit und Stärke zu spüren, nicht länger das Opfer zu sein und endlich mit der Depression und den schlimmen Erinnerungen zu brechen. – Ein großartiger und wichtiger Text für die Emanzipation der Opfer von sexuellem Missbrauch.

Stefanie Simon

Stefanie Simon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Mädchen, 1983

Mädchen, 1983

Linn Ullmann ; aus dem Norwegischen von Paul Berf
Luchterhand (2025)

283 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 754816
ISBN 978-3-630-87721-1
9783630877211
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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