Die Leute, die sie vorübergehen sahen
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Salome Jensen, die im Alter von drei Jahren entführt wird. Nach einiger Zeit verlässt sie ihr Entführer, ein Mann, den sie Daddy nennt und bei dem sie sich sicher fühlt. Nach einer Odyssee, während der sie bei
den unterschiedlichsten, oft skurrilen Typen wohnt, ist sie wieder bei ihren Eltern - völlig verändert. Aus den Begegnungen mit anderen Menschen und einer Wanderung durch die Wüste hat sie viel gelernt. Was nach einer konventionellen Entführungsgeschichte klingt, ist die Geschichte eines Bewusstmachens, die alle Regeln auf den Kopf stellt.Der Autor erfindet unwahrscheinliche, ja surrealistische Szenarien, um seine Kritik der amerikanischen Gesellschaft darzulegen: Indem er eine Dreijährige mit unbestechlichem, kühlem Kinderblick selbständig und entscheidungsfähig die Erwachsenenwelt beobachten und entlarven lässt. Diese Welt wird am Beispiel gescheiterter Leben dargestellt, und es werden viele Lebensweisheiten vermittelt. Ohne Sozialromantik und moralische Belehrung erzählt der Autor eine groteske Geschichte, die dem Leser Einiges an Imaginationsfreude abverlangt.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Leute, die sie vorübergehen sahen
Scott Bradfield
Residenz-Verl. (2013)
232 S.
fest geb.