Im Namen des Spektakels
Abenteuerlich ist in Nils Mohls Gedichten die Suche nach den verschwundenen Socken genauso wie der Weg auf der Himmelstreppe und das Verfassen eines Liebesbriefes. Wer vor zu viel Spannung zurückschreckt, kann unbesorgt sein. Maul- und Revolverhelden
werden ganz schön durch den Kakao gezogen und demaskiert; Schurken werden entzaubert und enden allein. Mohl dichtet vom verpennten Dracula, gescheiterten Einbrechern und dem Ross, das Billy the Kid in den Schritt tritt. Ein Gedicht gibt gar die Anleitung, wie man die Angst verjagt. Altbekannte Abenteuerhelden wie Dracula, Zorro und Batman laufen zwar durchs Bild, taugen jedoch nicht als Vorbilder. Im Gegensatz zu den „friedlingen“, herrlich utopischen Wesen, die auf ihrem Asteroiden „das unentschieden lieben“ und „verse […] schmieden“. „[N]ur wir erdlinge/ werden von ihnen gemieden/ denn sie genießen/ nun mal von herzen den frieden“. Das gibt doch zu denken genauso wie der „geist aus der flasche“, der über den Zustand der Welt verärgert ist und die „idioten“, die die Umwelt unwiderruflich zerstören. Das „Dichterbiest“ und „Zorrothea“, Zorros Schwester, begleiten durchs ganze Buch. „Zorrothea“, geniale Schöpfung Mohls, schreibt ihrem Vetter in bester Poetry-Slam-Manier, wie lächerlich es ist, dass er gerade mal ein Zett ritzen kann und dafür so angehimmelt wird. Sie rät ihm: „[M]ach schluss/ mit schundgeschichten/ machs wie ich/ sei wirklich waghalsig/ versuchs mit dichten“. Die wahren Helden und Heldinnen sind bei Mohl die Friedliebenden, die Dichtenden, die Netten. Er bietet Unterhaltung mit Haltung; die Botschaft: statt mit Waffen lieber mit Poesie die Welt retten. Auch optisch gestaltet Halina Kirschner ein Spektakel mitsamt Konfetti und liebenswürdigen Figuren, die den Witz und die Poesie kongenial umsetzen. Obendrein schenkt uns Mohl noch ein Quiz mit Fragen rund um Abenteuer. – Spektakuläres Lesevergnügen für ein großes Publikum!
Melanie Schubert
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Im Namen des Spektakels
Nils Mohl ; mit Bildern von Halina Kirschner
tyrolia-verlag (2026)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 9