Ich erzähle von meinen Beinen
Nervige Schusseligkeit oder ernsthafte Störung? Walburga versucht ihre Aufgaben als Hausfrau, Mutter und Journalistin zu erledigen. Ihr grandioses Scheitern beschreibt sie in diesem Buch – keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern Geschichts-Schnipsel,
so wie sie durch die Gedankenwelt der Autorin rasen. Sie berichtet über eine Folge von Ereignissen, die vor allem eines zeigen: wenn das Gehirn nicht den allgemein üblichen Mustern folgt, reagieren im harmlosen Fall Mitmenschen mit Unverständnis, im schlimmsten Fall mit Ablehnung bis hin zu Mobbing und viel Elend für die Betroffenen, die sich für „nicht richtig“ halten. Bei ihrer Tochter wurde ADHS diagnostiziert, was allerdings für das Verständnis der anderen Kinder nicht hilft, im Gegenteil zu noch größerer Ablehnung führt. Walburga gerät immer tiefer in den Teufelskreis von nicht bewältigtem Alltag, Schuldgefühlen und zunehmender Unfähigkeit, die täglichen Anforderungen zu bewältigen. Am Ende sorgt äußerlich die Überflutung ihres Hauses und bei ihr selbst ihr Zusammenbruch für einen Neuanfang. – Das Buch ist keine larmoyante Nabelschau, aber ein Plädoyer für Toleranz gegenüber sogenannten Neurodivergenten und eine humorvolle Beschreibung deren täglichen Hürden.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ich erzähle von meinen Beinen
Cornelia Travnicek
Picus Verlag (2026)
406 Seiten
fest geb.