Der Rest ihres Lebens
Kurz vor ihrem Geburtstag zieht ein junges Paar in das Haus der 60-jährigen Dorothy ein, die junge Frau, Martha, ist hochschwanger. Dies ist Anstoß für Dorothy, über ihre Beziehung nachzudenken, ihren Ehemann Edward, der sie verlassen hat, weil
er sie "nicht mehr mag". Ihre Kinder sind ihr ziemlich fremd geworden. Da sie nichts mehr mit sich anzufangen weiß, kaum Freunde hat, beobachtet sie ihre Untermieter, freundet sich gar mit Martha etwas an. In einem durchgängigen inneren Monolog beschreibt sie detailliert ihren Tagesablauf und enthüllt damit ihre Einsamkeit. In ihrem komfortablen Haus ist ihr langweilig, sie hat keine sinnvolle Beschäftigung, hält sich an ihren Gin Tonics fest. Dorothy träumt davon, noch einmal jung zu sein, ihr "Leben noch einmal leben dürfen" und fragt sich, wo das Glück hin ist. Ihr wird klar, dass sie ihr "Leben hatte geschehen lassen", und dass jetzt nur noch der Rest ihres Lebens auf sie wartet. - Der Leser verfolgt fasziniert den Monolog der vereinsamten Frau, die zu verstehen sucht, wie und warum es so weit gekommen ist. Ein intensives Leseerlebnis vor allem für psychologisch interessierte Frauen.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Rest ihres Lebens
Linda Benedikt
Arche (2015)
219 S.
fest geb.