Papa liebt jetzt einen Tiger
Vor Kurzem waren Mama, Papa und Janis noch eine Familie, nun haben sich die Eltern getrennt und Janis wohnt unter der Woche mit Papa bei dessen neuer Freundin und deren Kindern. Am Wochenende ist er bei Mama und deren neuem Lebensgefährten. Und als
ob das nicht genug Veränderung bieten würde, handelt es sich bei Papas Freundin auch noch um einen lachenden Tiger, ihren Söhnen um zwei tobende Affen und ihrer Teenagertochter um ein maulendes Faultier – zumindest sieht Janis dies in ihnen. Die Metaphorik wird sowohl im (gereimten) Text als auch in den Illustrationen aufgegriffen. Erst sieht man tatsächlich diese Tiere, die sich im neuen Zuhause tummeln, dann erhalten die menschlichen Figuren entsprechende Kleidungsstücke oder Accessoires und fallen durch tierisches Handeln auf. Janis' Vater geht wenig sensibel mit der neuen Situation um, bemerkt nicht dessen Verunsicherung und Traurigkeit. Und auch seine Mutter – in deren neuem Partner Janis ein Krokodil sieht – kann mit der Nachricht, er werde bald großer Bruder, seltsamerweise (?) nur wenig Begeisterung bei Janis auslösen. Was tun? Erst Janis' erneuter Wutausbruch und ein Vergleich seines Auftretens mit einem Löwen bringt Änderung. Denn "Löwen sind toll, denn sie haben echt Mut. Sie sind stark und auch schlau. Ja, Löwen sind gut!" – Es hakt ein bisschen in der Schlüssigkeit der Handlung, denn eigentlich hatte Janis schon vorher einen löwenstarken Auftritt. Die emotionale Selbstbezogenheit der erwachsenen Figuren tut weh, mag aber vorkommen, so dass Eltern und kleine Löwen in ähnlichen Situationen sich damit identifizieren können.
Anna Winkler-Benders
rezensiert für den Borromäusverein.
Papa liebt jetzt einen Tiger
Uticha Marmon ; Illustration: Anne-Kathrin Behl
magellan (2024)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 3