Die zweite Schöpfung
Haben wir Menschen die Natur bereits so tiefgreifend umgestaltet, dass eine neue Erdepoche namens Anthropozän begonnen hat? Allzu häufig jedenfalls richtet sich die Zivilisation gegen die Natur, wie an den in diesem Buch geschilderten Fallbeispielen
aus den USA plastisch vor Augen geführt wird. Da geht es zum einen um wahre Umweltkrimis (Vergiftung des Grundwassers durch den Chemiekonzerns DuPont, Seesternsterben, riesige Gaslecks, ökologische Folgen des Hurrikans Katrina), zum anderen um den Versuch von Naturwissenschaftlern und Technikern, eine menschengemachte Zukunft zu erschaffen (z.B. Wiederbelebung ausgestorbener Arten, Schaffung künstlicher Ökosysteme, transgene Organismen). – Nathaniel Rich hat eindrucksvolle Reportagen zum menschlichen Einfluss auf die Natur zusammengestellt, die zum Teil bereits in renommierten US-Magazinen (New York Times Magazine, Vice) erschienen sind. Sie stellen jeweils die handelnden Menschen in den Mittelpunkt, wodurch das Erzählte an Dramatik gewinnt. Der Sammelband liefert lebendige Schilderungen interessanter Einzelfälle, also Lesefutter für speziell an Umweltschutz Interessierte. Was fehlt, ist der systematische Überstieg von den Einzelfällen auf eine allgemeinere Ebene. Der bleibt den Lesenden überlassen.
Johann Book
rezensiert für den Borromäusverein.
Die zweite Schöpfung
Nathaniel Rich ; aus dem Englischen von Thomas Gunkel
Rowohlt Berlin (2022)
314 Seiten
fest geb.