Damals in der Rosenstraße
Auf eindrucksvolle und berührende Weise gelingt es der Autorin Anja Tuckermann, in diesem Sachbuch von einer ganz außergewöhnlichen und wenig bekannten Episode der Nazi-Diktatur zu erzählen: Als im Februar 1943 jüdische Menschen, vornehmlich Männer,
aus gemischt-religiösen Familien in ein Gebäude in der Rosenstraße in Berlin verschleppt werden, formiert sich ein stiller und immer größer werdender Widerstand der Familienangehörigen. Sie harren Tag für Tag vor dem Gebäude aus und fordern mutig die Freilassung ihrer Liebsten. Eine dieser Familien ist die fiktive Familie Gumpel, deren Vater nun in der Rosenstraße gefangen gehalten wird. Die kleine Doris, ihr Bruder Helmut und die Mutter hoffen jeden Tag, den Vater wiederzusehen, wenn sie vor dem großen Haus stehen. Und tatsächlich ist es eines Tages so weit: Der Vater kommt nach Hause. Die Erzählung stützt sich auf wahre Begebenheiten und ist durch den zwar offenen, aber dennoch hoffnungsvollen Ausgang geeignet, um schon Kinder im Grundschulalter altersgerecht im Sinne der so wichtigen Erinnerungskultur an die Verbrechen des Nazi-Regimes heranzuführen und sie zu sensibilisieren für Gerechtigkeit, Menschlichkeit und demokratische Werte. Die Geschichte um die Familie Gumpel wird auf jeder Seite ergänzt von kurzen, verständlichen Sachtexten, welche die Erzählung geschichtlich einordnen. Die Texte sind klar in der Sprache, beschönigen nichts, sind aber trotzdem für ältere Kinder geeignet. In besonderem Maße unterstrichen werden die Texte durch die eindrucksvollen Illustrationen. Es gelingt der Illustratorin herausragend, durch farbliche Gestaltung eine Stimmung von Angst und Bedrohung zu erzeugen, aber auch durch den Einsatz von Licht Hoffnung auszudrücken. Auch die Mimik und die Körpersprache der Figuren interpretieren und unterstreichen die erzählte Handlung sehr gut. – Dieses wichtige Buch sollte in keinem Büchereibestand fehlen.
Kirstin Kreis
rezensiert für den Borromäusverein.
Damals in der Rosenstraße
Anja Tuckermann ; mit Bildern von Annabelle von Sperber
Fischer Sauerländer (2026)
[48] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10