Es gibt keine Wale in Wilmersee
Die Familie lebt in einem dunklen alten Haus am Wilmersee. Im Winter friert der See gelegentlich zu. Als die Erzählerin acht Jahre alt war, verlor sie im See ihre Schwester. Seitdem ist die ganze Familie verstummt und vereinsamt. Die Mutter hat die
Familie zunächst nur vorübergehend verlassen, dann kam sie immer länger nicht mehr zu Besuch und bald war sie ganz weg. Ebenso der Vater. Die übrig gebliebenen Geschwister sind allein mit ihrer Trauer und der Stille des Hauses und des Waldes. Eines Tages kommt eine junge Frau und hängt sich an die Erzählerin. Mit ihrer eigenartigen Hartnäckigkeit und ehrlichen Einfühlsamkeit entsteht ein Band zwischen den beiden jungen Frauen. Woher sie kommt, ist mindestens so unklar, wie das, was sie belastet. Aber Fragen werden keine gestellt, also dauert es auch eine ganze Zeit, bis die Wahrheit ans Licht kommt und wieder ein lautloser Abschied bevorsteht. Laura Dürrschmidts Debüt ist still und leise in der Sprache, jedoch dicht und aufwühlend in der Atmosphäre. Wer leise Töne und langsames Erzählen schätzt, wird diesen Roman mögen.
Christine Tapé-Knabe
rezensiert für den Borromäusverein.
Es gibt keine Wale in Wilmersee
Laura Dürrschmidt
Ecco (2021)
286 Seiten
fest geb.