Stonehenge
Senft ist der dritte Sohn einer Steinhauerfamilie, die Mutter ist schon lange tot. Vater und beide Brüder sind gewalttätig, auch und gerade gegen den Jüngsten. Irgendwann schafft er es, sich gegen seine Peiniger zu stellen und eigene Wege zu gehen.
Er entwickelt sich zu einem Baumeister mit immer neuen Ideen. Er trifft auf Joia, die sich gerade anschickt, die Hohepriesterin des Monuments von Stonehenge zu werden. Die Anlage ist noch aus Holz und wird bei einem der Kämpfe der verschiedenen Stämme verbrannt. Joia schafft es, die Priesterinnen und den starken Stamm der Hirten davon zu überzeugen, dass das Monument neu gebaut werden muss, und zwar aus Stein. Als es Joia gelingt, viele hundert Freiwillige, v. a. aus dem Volk der Hirten, für ihre Vorstellungen zu begeistern, sind sie und ihre Helfer Bedrohungen und Angriffen, vor allem des Bauernstammes, ausgesetzt. So vergehen Jahre, bis ein erster riesiger Stein aus dem zwei Tagesmärsche entfernten Tal der Steine unter unsäglichen Mühen herbeigeschafft werden kann. – Der Autor hat nach eigenem Bekunden viel recherchiert, um dem Thema Stonehenge gerecht zu werden. Die bekannten Fakten sind dürftig, also gibt es viel Fiktionales. Breiten Raum nehmen neben den Kämpfen der Stämme auch Themen wie Dürre, Klimawandel und Liebe ein. Auch detailreich geschildeter Sex fehlt nicht. Es wird aufgezeigt, dass es ein Zahlensystem und eine Art Kalender gab. Bei den vielen Protagonisten der Clans – Hirten, Bauern, Waldmenschen – fällt auf, dass die Männer zumeist die Bösen und die Frauen die Guten sind. Es gibt viele Parallelen zu dem gleichnamigen Werk von Bernard Cornwell, erschienen vor etlichen Jahren. Das neuzeitliche Vokabular in den Dialogen der Steinzeitmenschen ist eher störend, ist aber wohl der Notwendigkeit verständlicher Vorgänge geschuldet. – Wer sich für die prähistorische Zeit interessiert, ist mit diesem Roman nicht schlecht bedient. Und allein der Name Follett bürgt für vielseitiges Interesse.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Stonehenge
Ken Follett ; Übersetzung aus dem Englischen von Rainer Schumacher und [einem weiteren]
Lübbe (2025)
669 Seiten : Karten
fest geb.