Kinderspiel
Die junge Mutter Soldier hat sich in die traditionelle Rolle gefügt und kümmert sich um ihr Kind, das sie über alles liebt, das sie aber auch wütend macht. Ihr Mann arbeitet und gibt ihr gute Ratschläge, die sie zunehmend frustrieren und wütend
machen, da sie vor lauter Müdigkeit nicht ein noch aus weiß. “Tagsüber schreien wir einander an, doch während du schläfst, laufe ich über vor Liebe.” – Die Details des anstrengenden Alltags, in dem sie von dem tobenden und schreienden Kind, das immer gerade dann die Windel voll hat, wenn sie spazieren gehen will, am liebsten weglaufen möchte, sind selten so drastisch geschildert worden, und viele Leserinnen werden Szenen wiedererkennen. Eine schonungslose Beichte der Mutter, die sich nach mehr Zeit für sich selbst sehnt. Sie spricht ihren Sohn direkt an und beschreibt das Chaos, die Erschöpfung, den Schlafmangel, die Wut und die Einsamkeit einer jungen Mutter, aber auch die Glücksmomente, die sie mit dem Kind erlebt. Wie schon in dem Roman von Rachel Yoder “Nightbitch” (BP/mp 24/178) wird hier die Idylle einer Mutter-Kind-Beziehung zerstört. – Eine intensive, aufwühlende Lektüre.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Kinderspiel
Claire Kilroy ; aus dem Englischen von Luca Mael Milsch
FISCHER (2025)
286 Seiten
fest geb.