Wind, der uns heimträgt
Mit 18 flieht Zack aus Duala in Kamerun, wo er mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen gelebt hat: Als er und sein Freund Achille eine Frau berauben wollen, werden sie erwischt und Zack lässt seinen Freund ebenso im Stich wie seine Mutter,
die als Alleinerziehende ihren Sohn und sich durch Prostitution durchgebracht hat. In Paris studiert Zack Psychologie und lernt die Französin Julienne kennen, die er heiratet. Sie bekommen Zwillinge. Doch die Ungewissheit um das Schicksal Achilles, seiner Freundin Nella und seiner Mutter und das Gefühl, seine Herkunft, sich selbst und seine wahre Identität verleugnet zu haben, zehrt an ihm und bringt die Beziehung zu Julienne in Gefahr. Als Nella Zack informiert, dass seine Mutter im Sterben liege, fällt er die Entscheidung, noch einmal nach Kamerun zurückzukehren und sich seiner Vergangenheit zu stellen. Es wird eine Reise, bei der Zack endlich zu seinem wahren Ich findet. Ein zweiter Strang erzählt die Geschichte von Zacks Großvater, einem Fischer, der durch die Machenschaften einer Holzgenossenschaft seine Existenz verliert und wegen eines Diebstahls ins Gefängnis muss. Danach findet er nicht mehr ins richtige Leben zurück. – Mit großem Geschick verwebt die Autorin beide Geschichten miteinander. So erzählt sie nicht nur von den neoimperialistischen Machenschaften, die das Leben der traditionellen Gemeinschaften in Kamerun zerstören. Sie schreibt auch fesselnd und eindrucksvoll von den Problemen, die ein Afrikaner durchlebt, weil er seine eigene Herkunft verleugnet und in einer fremden Kultur nur oberflächlich Fuß fasst. Erst die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln führt zur Versöhnung. – Ein ausgezeichneter Roman, fesselnd geschrieben, über den Konflikt von Tradition und Moderne in Afrika und das problematische Leben eines Afrikaners, der zwischen zwei Kulturen lebt und sich dabei verliert. Absolut lesenswert.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wind, der uns heimträgt
Hemley Boum ; aus dem Französischen von Gudrun und Otto Honke
Peter Hammer Verlag (2025)
318 Seiten
fest geb.