The secret of secrets
In The Secret of Secrets (deutsch: Das Geheimnis aller Geheimnisse) zeigt Dan Brown, dass er mehr ist als ein routinierter Verschwörungsautor, die Spannung bleibt auf den fast 800 Seiten ungebrochen hoch und sehr unterhaltsam. Er wiederholt nicht
nur altbewährte Muster, sondern transportiert mit seinen Cliffhangern ein ständiges Gefühl von Atemlosigkeit. Diesmal dreht sich das Spiel um Bewusstsein, Leben und Tod und Dan Brown verwebt geschickt historische, mystische und wissenschaftliche Elemente. Er nutzt diesmal nicht nur seine typischen Codes, Symbole und Spuren in der Architektur, sondern wagt sich tiefer in metaphysische Gefilde – mit Noetik (die Wissenschaft von Geist und Vernunft), präkognitiven Experimenten und der Frage, ob Bewusstsein den Tod überdauert. Um das atmosphärisch zu untermauern, dient als perfekte Kulisse die Stadt Prag, in der Legenden, Geheimnisse und moderne Forschung aufeinanderprallen. Brown lässt seine philosophischen und spekulativen Gedanken zum Motor des Thrillers werden – zur Bedrohung, zum Rätsel. Und ja: Langdon absolviert wieder eine Schnitzeljagd, aber dieses Mal muss er (und wir als Leser) zweifeln und des Öfteren auch mal innehalten. Es macht Spaß, in The Secret of Secrets mitzuspringen, zu interpretieren und wegen der ein oder anderen Überspitzung auch zu lächeln. Wen es nicht stört, dass die für einen Thriller typische Logik ab und zu stolpert und sich Fiktion mit wissenschaftlichen Thesen manchmal vielleicht zu leichtfertig mischt, den erwartet ein großartiger, unterhaltsamer das soll es ja hauptsächlich sein!) und bis zur letzten Seite fesselnder Thriller.
Ulrich Glatz
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
The secret of secrets
Dan Brown ; aus dem amerikanischen Englischen von Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher
Lübbe (2025)
800 Seiten
fest geb.