Waiseninsel

Vom Polizeidienst suspendiert findet sich Jessica auf einer abgelegenen kleinen Insel zwischen Finnland und Schweden wieder. All ihre Bekannten hat sie von sich gestoßen und auch auf Smörregård isoliert sie sich zusehends. Sie rutscht immer weiter Waiseninsel in ihre Schizophrenie ab und denkt auch über Suizid nach. Die Stimmung ist deshalb das ganze Buch hindurch sehr gedrückt, aber gleichzeitig mit Anspannung geladen. Die Geschehnisse auf der Insel geben ihr zwar eine Aufgabe, reißen sie aber nicht aus ihren düsteren Gedanken. Eine alte Frau wird tot am Steg der Insel vorgefunden, wie schon zwei andere Leichen in den 80er Jahren, deren Tod nie aufgeklärt wurde. Irgendwie scheint das mit der alten Legende vom Mädchen im blauen Mantel zusammenzuhängen, das seit Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Insel herumspuken soll. Also seit genau der Zeit, als die Tote im Waisenhaus der Insel gewohnt haben soll. Der ohnehin schon übernatürlich anmutende Fall wird noch undurchsichtiger dadurch, dass Jessica die Definition einer unzuverlässigen Erzählerin ist. Durch ihre Erinnerungslücken und die Geheimnisse auf der Insel bleibt der Thriller durchgehend spannend und unvorhersehbar. Statt durch blutige Morde überzeugt er durch eine anhaltende Spannung und psychologische Abgründe. Es empfiehlt sich aber, zuvor die anderen Bände der Jessica Niemi-Reihe (zul. "Feindesopfer", BP/mp 23/113) zu lesen.

Agnes Schmidtner

Agnes Schmidtner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Waiseninsel

Waiseninsel

Max Seeck ; Übersetzung aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Lübbe (2023)

Jessica-Niemi-Reihe ; [4]
395 Seiten
kt.

MedienNr.: 617910
ISBN 978-3-7857-2868-0
9783785728680
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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