Wie wir waren
Die Autorin arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeutin und präsentiert ihren dritten Roman, der wiederum ihr Talent zur Kreation liebenswerter und lebensechter Figuren beweist. Das farbenfrohe Cover entspricht nicht der Inhaltsschwere der konträren
Handlungsstränge. Es wird die komplizierte Frauenfreundschaft der miteinander groß gewordenen unsicheren, ängstlichen Paula und der lebenshungrigen und furchtlosen Zett in allen Details und Brüchen beschrieben. Trotz Verbundenheit sind die Frauen nicht bereit, die eigene Vergangenheit in allen Facetten der Freundin zu offenbaren. Eine innige Beziehung erleben beide im Urlaub auf einer griechischen Insel nach ihrem Schulabschluss. Es folgt Kontaktsperre bis zur Hochzeit von Paula. Zett lehnt deren gewalttätigen Ehemann ab. Kapitelweise werden die jeweiligen Frauenperspektiven über sechzehn Jahre hinweg geschildert. Die Tiefe resultiert aus den behandelten Themen wie Missbrauch von Drogen, und Alkohol, Gewalt, Vertrauen und Beziehungs- sowie Sinnfragen. Die Freundinnen entwickeln beiderseitige Annäherung als auch Distanz. Dies ist kein Wohlfühlroman, sondern ein emotional dramatischer, realistischer und wenig humorvoller Roman, der zum Nachdenken anregt und auch deshalb lesenswert ist. Für alle Bestände empfohlen.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wie wir waren
Heike Duken
Limes (2024)
351 Seiten
fest geb.