Die Wolken waren groß und weiß und zogen da oben hin

Roman ist ein griesgrämiger Witzbold. Seine Kontakte beschränken sich auf Telefonate mit der Mutter und stümperhaft langweilige E-Mails übers Wetter an Freund B.; beide sind lebensmüde und haben ihn um Beistand gebeten. Beiläufig wird eine Geliebte Die Wolken waren groß und weiß und zogen da oben hin erwähnt, vergleichende Literaturwissenschaftlerin, doch sonst meidet Roman persönliche Kontakte, wo es geht, steigert sich dabei förmlich in einen semiotischen Wahn, indem er versucht, zufälligen Begegnungen im Treppenhaus zu entgehen, könnte doch in seine nicht intendierten Zeichen eine Bedeutung hineingelesen werden. Die Beschreibung eines an Peter Weiß erinnernden surrealen Blicks durch die Strukturglasscheibe ins Bad der Nachbarin (S. 76f) ist symptomatisch für seine verschobene Betrachtung der Welt, die Anlass gibt zu Kultur- und Gesellschaftskritik. - Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schweizer Autor und Filmemacher Matthias Zschokke gibt in seinem Roman dem Unscheinbaren Gewicht und thematisiert dies gegen Ende so: "Dass das Reden nur dann sinnreich erscheint, wenn es dabei um absolut nichts geht, wenn das Reden eher eine Art Streicheln ist, ein Mit-dem-Lufthauch-und-den-Tönen-den-andern-Umwedeln ..." (S. 191). - Für literarisch interessierte Leser, die sich darauf einlassen wollen, ein Gewinn.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Wolken waren groß und weiß und zogen da oben hin

Die Wolken waren groß und weiß und zogen da oben hin

Matthias Zschokke
Wallstein-Verl. (2016)

218 S.
fest geb.

MedienNr.: 837596
ISBN 978-3-8353-1875-5
9783835318755
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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