Ich warte noch immer auf eine Entschuldigung

Die Ich-Erzählerin Anna, Journalistin und Dozentin, lebt in Paris und gibt dort an der Universität ein Seminar zu #MeToo. Während sie auf der einen Seite mit ihren Studierenden über gesellschaftliche Themen wie Consent, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Ich warte noch immer auf eine Entschuldigung Veränderungen spricht, geht sie auf der anderen Erzählebene in ihren Erinnerungen bis in ihre Kindheit zurück. Sie sucht dort nach Spuren von übergriffigem Verhalten ihres Umfeldes. Es geht um Aussagen wie „zulassen heißt nicht zustimmen“. Alle Möglichkeiten/Varianten von Vergewaltigung, Machtmissbrauch etc. werden angesprochen, Fragen an Opfer gestellt, wie z.B. „Hast du nein gesagt? Was hast du für Beweise? Hast du dich gewehrt?“ Viele Fallbeispiele werden erwähnt. Auch die Frage, ob Frauen nicht provozieren und dann in gewisser Weise selbst schuld sind, wird gestellt. Die Autorin fordert, Männer sollten sich entschuldigen. „Zwar entschuldigen sich mittlerweile viele Männer, ohne gewalttätig gehandelt zu haben, während diejenigen, die dies getan haben, sich dessen oft gar nicht bewusst sind. Auf jeden Fall müssen wir aufhören, uns für das, was wir erlitten haben, zu schämen und schuldig zu fühlen.“ Eine Mischung aus Rückblicken, Gedankengängen und Episoden, eher eine Abhandlung als ein Roman, ein Aufruf zum Nachdenken, zum Hinterfragen, zum Diskutieren. Wer sich mit feministischen Themen auseinandersetzt und nicht immer einen spannenden Plot braucht, findet hier viele wichtige Argumente.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Ich warte noch immer auf eine Entschuldigung

Ich warte noch immer auf eine Entschuldigung

Michela Marzano ; aus dem Italienischen von Jan Schönherr
eichborn (2024)

317 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 620707
ISBN 978-3-8479-0191-4
9783847901914
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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