Da, wo ich dich sehen kann
Allein in Hamburg gab es bis zur Jahresmitte 2025 bereits sechs Femizide. Dieser furchtbaren Gewalt gegen Frauen widmet die Autorin ihr Buch, insbesondere ihrer Nachbarin, die vor den Augen ihrer Tochter von ihrem Ehemann erstochen wurde. In der fiktiven
Geschichte verliert die Lehrerin und Astrophysikerin Liv ihre beste Freundin Emma durch die Ermordung durch ihren Ehemann. Die neunjährige Maja findet ihre Mutter am Morgen erdrosselt in der Küche. Nichts ist mehr wie vorher im Leben von Liv, ihrem Patenkind Maja und den Eltern von Emma und Frank. Hätten sie die subtile Ausübung von Macht und Gewalt bei Frank sehen können und rechtzeitig Emma aus der gewalttätigen Beziehung befreien können? Tief erschüttert und traumatisiert, versucht die Schicksalsgemeinschaft, das Trauma zu bewältigen und für Maja eine Perspektive zu eröffnen. Große Bedeutung kommt dabei Livs Leidenschaft für die Astronomie und ihrer Hundeliebe zu. Sie verschafft Maja dadurch einen neuen Blick auf ihre Situation und eine Aufgabe. – Wechselnde Perspektiven aller Beteiligten machen Schuldgefühle, Versagensängste, Verlustschmerz, Therapiemöglichkeiten und die Entwicklung einer toxischen Beziehung dramatisch deutlich. Auf schwarzen Seiten werden alternative Szenarien beschrieben, wie auf Emmas Zeichen hätte auch reagiert werden können. Es sehen, interpretieren und handeln. Ein gut durchkomponiertes Buch mit vielen Facetten zu einem brennenden Thema. Breit einsetzbar, z. B. in Gesprächskreisen zum Thema häusliche Gewalt.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Da, wo ich dich sehen kann
Jasmin Schreiber
eichborn (2025)
427 Seiten : Illustrationen
fest geb.