Die Lichter über St. Pauli
Hamburg 1913: Louise, eine junge Frau aus gutem Hause, hat einen Hochstapler und Betrüger geheiratet. Was sie allerdings erst erkennt, als er sie in Hamburg ohne Geld zurücklässt. In einer kleinen Pension lernt Louise die junge, lebenstüchtige
Ella kennen, die eine bewegte Geschichte hat: Von ihrer Familie aus Not in die Prostitution nach Lemberg verkauft, gelingt ihr die Flucht quer durch das Deutsche Reich bis nach Hamburg. Louise findet einen Schuldschein ihres Ex-Mannes, in dem ihm ein Teil einer Bar auf Sankt Pauli vermacht wurde. Als Louise die Schuld eintreiben möchte, wird sie vom Besitzer fast vergewaltigt. Doch Paul, ein ehemaliger Polizist, der durch die Machenschaften eines Verbrechers einen Arm und seine Arbeit verloren hat, kann sie retten. Der Vergewaltiger kommt dabei ums Leben. Sie versuchen, die Tat zu vertuschen. Und Louise beschließt, mit Ella, die schnell zu ihrer einzigen Freundin und Stütze wird, hier eine Bar aufzumachen. Doch dann geschieht in der Nähe ein Mord, und sie müssen einen Jungen verstecken, der fälschlich als Täter gesucht wird. Wie können sie den wahren Täter finden? Und wie kann sich Paul an dem Verbrecher, der an seinem Unglück Schuld hat und einen Ring von Straßenkindern zu seinen kriminellen Machenschaften missbraucht, rächen? – Ein spannender, atmosphärisch reicher Kriminalroman, der gleichzeitig eine gelungene Milieustudie Hamburgs vor dem Ersten Weltkrieg bietet. Wenn man diesen Pageturner gelesen hat, wartet man schon gespannt auf die Fortsetzung.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Lichter über St. Pauli
Henrike Engel
Ullstein (2025)
Elbnächte ; [1]
398 Seiten
kt.