Hundesohn

In wenigen Tagen reist Zeko wieder nach Adana in der Türkei. Hier lebte sein geliebter Großvater Dede, hier hat er viele glückliche Stunden verbracht und sich in Hassan verliebt. Wie in einem Countdown zählt er die Tage bis zum Wiedersehen mit Hundesohn Hassan herunter … Derweil erleben wir Zekos Alltag in Berlin: das sind vor allem unverbindliche Dates mit anderen Männern. Die schwule Dating-App ist eigentlich dauernd aktiv und Zeko fast immer bereit für Treffen und schnellen Sex. Ozan Zakariya Keskinkiliç schildert das sehr explizit und detailreich – das mag man mögen oder nicht – Mit der Zeit unterstreicht die Vielzahl an Dates, Partnern, Stellungen und Eindeutigkeiten die Unverbindlichkeit der Treffen. Ganz anders, wenn es um Dede und Hassan geht – Zeko verzehrt sich in der Sehnsucht nach dem Schwarm, der für den geliebten und in bester Erinnerung bleibenden Großvater allerdings ein „Hundesohn“ ist, ein Unreiner, kein guter Umgang etc. Träumt er sogar von „Liebe“, von Vertrauen, Zärtlichkeit und Partnerschaft? Möchte er ankommen und ein Zuhause finden, denn in der weltoffenen Metropole Berlin ist er eben auch ein Migrant? „Hundesohn“ ist Keskinkiliçs erster Roman – im Herbst 2025 hat er sowohl Medienpräsenz wie Prämierungen (u.a. ZDF-„aspekte“-Literaturpreis) erfahren. Der Autor liest den Roman sehr souverän. Eine tolle Leistung, die den Vergleich mit Profi-Sprechern nicht zu scheuen braucht. Für Fans zeitgenössischer Literatur möglich – wir erleben einen jungen queeren Mann zwischen zwei Kulturen, der nach sich selbst sucht.

Felix Stenert

Felix Stenert

rezensiert für den Borromäusverein.

Hundesohn

Hundesohn

Ozan Zakariya Keskinkiliç
audiolino (2025)

1 mp3-CD (circa 325 min)
mp3-CD

MedienNr.: 623970
ISBN 978-3-86737-463-7
9783867374637
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.