Nichts davon stimmt, aber alles ist wahr
Jule und Matthias lernen sich durch Lüge und Täuschung kennen und verlieben sich. Matthias ist arbeitsloser Versicherungskaufmann, Jule arbeitet in einer Werbeagentur, stellt Illusionen her. Auch Matthias lebt von Illusionen: die Lebensgeschichte,
die er Jule erzählt, ist erfunden. Er spürt, was andere brauchen und gibt es ihnen, ein echter Frauenversteher. In Internet-Partnerbörsen stellt er viele unterschiedliche Portraits von sich selbst ein. Eines Tages lernt er die reiche alte, aber einsame Dame Annemarie kennen, die unheilbar an Krebs erkrankt ist, und schmeichelt sich bei ihr ein, in der Hoffnung auf ihr Erbe. Eingeschoben in die Geschichte der drei Protagonisten sind Annemaries Erinnerungen an ihre Kindheit im Wirtshaus des Großvaters. Ihre Geschichte erzählt sie Jule, die sie aufschreiben soll, damit sie nicht verloren geht. Denn auch Jule hat sich bei Annemarie mit dem Vorwand eingeschlichen, ihre Memoiren zu schreiben, um Matthias zu beobachten. Der Leser fragt sich, wer hier wen manipuliert. Ein herausragender, sehr gut zu lesender Roman, in dem die Protagonisten von Illusionen leben, und in dem die unterschiedlichen Sehnsüchte dargestellt werden: die Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach Liebe, nach Erfolg. Sehr empfohlen.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Nichts davon stimmt, aber alles ist wahr
Larissa Boehning
Galiani (2014)
315 S.
fest geb.