Wenn die Wale an Land gehen

Nach dem Irrweg einer 25-jährigen Vernunftehe, die in einer Scheidung endet, macht sich die Ich-Erzählerin, die nunmehr 50-jährige Roswitha Sonntag, auf den Weg ins "Traumland" Amerika. Sie ist auf der Suche nach Mick, dem Mann, den sie in ihrer Wenn die Wale an Land gehen Leipziger Studentenzeit Anfang der 80er Jahre kennengelernt hatte und dem sie sich immer noch verbunden fühlt. Er war als Republikflüchtling verurteilt und später vom Westen freigekauft worden. Nach einer abenteuerlichen Woche des Suchens, voller Selbstzweifel und Hoffnung finden sich beide: "Von unseren Wünschen zu ihrer Erfüllung führt eine Brücke, die Brücke der Schmerzen" (S. 52). Die Beschreibung dieser Suche und des Wiedersehens wird immer wieder unterbrochen durch vielfältige Rückerinnerungen der Erzählerin an die gemeinsame Studienzeit. Roswitha, Mick, Lilo und Zappa waren eine unzertrennliche Clique gewesen, die sich in der miefig-bedrückenden Beengtheit der damaligen DDR ihre Sehnsucht nach Freiheit und Selbstentfaltung zu erhalten versuchte. - Frei von Sentimentalität, aber auch ohne Häme entwirft die durch ihren Erstling ("Alle sterben, auch die Löffelstöre": BP 07/555) bekannt gewordene Leipziger Autorin ein überaus anschauliches und facettenreiches Bild vom Leben der Menschen in dem teils lächerlich spießigen, teils brutalen Überwachungsstaat DDR. Sehr empfehlenswert!

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Wenn die Wale an Land gehen

Wenn die Wale an Land gehen

Kathrin Aehnlich
Kunstmann (2013)

252 S.
fest geb.

MedienNr.: 389630
ISBN 978-3-88897-859-3
9783888978593
ca. 19,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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