Der König von Lindewitz
Mit drei Generationen liefert die Erzählung um den Ort Lindewitz einen Einblick in die Vergangenheit des fiktiven ostdeutschen Städtchens, dem gegenwärtigen Umgang damit und einer wünschenswerten Zukunft. Keimzelle der Familie sind die drei betagten
Schwestern Anne, Marie und Agnes, bei denen alle Fäden zusammenlaufen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf mit der spektakulären Einweisung der kurz vor ihrem 100. Geburtstag stehenden Zwillingsschwestern Anne und Marie, die dort gemeinsam ihr Leben aushauchen. Agnes, rüstige 94, ist nun allein und hält die Geschichte und die damit verbundenen Erinnerungen zusammen, die mit ihrem Abschied verlorenzugehen drohen. Ihre Nichte Claudia hütet das Geheimnis um die Vaterschaft des Enkels Benedikt, der - anstatt mit abgeschlossenem Jurastudium nun Karriere zu machen - Tantes Krämerladen übernimmt. Auch die Umstände zu den sich häufenden rechten und rassistischen Randalen, Agnes' große Liebe selbst, der plötzlich in der ehemaligen DDR eine vielversprechende Fußballkarriere aufgeben muss - all das schwelt unter einer Decke des Schweigens. Der titelgebende König von Lindewitz ist Bruno Henker, Totengräber der Stadt, der die Geschichten der Leute kennt und erzähltechnisch Brücken schlagen lässt. Am Ende gibt es eine Großkundgebung, die aus strategischen Gründen die betagte Agnes angemeldet hat und auf der letztlich Heimattümelei und warme Worte von sich gegeben werden, die man der alten Frau nachsieht. So wechseln sich Tiefgründiges hinter Alltäglichem und Oberflächliches hinter Sinnsprüchen ab. Ein locker zu lesender Roman, der wenig in Erinnerung bleibt.
Christine Vornehm
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der König von Lindewitz
Kathrin Aehnlich
Verlag Antje Kunstmann (2024)
299 Seiten
fest geb.