Quinoa - Korn der Anden
Quinoa, der Samen eines krautigen Gänsefußgewächses, lässt sich in verschiedenen Gerichten als Ersatz für Getreide verwenden. Das hat die Körner in den Focus Gesundheitsbewusster und/oder Allergiegefährdeter gebracht, die nun auch nach entsprechenden
Rezepten verlangen. Mehr als 100 Rezepte sind in diesem Buch gesammelt und angeblich ausprobiert. Doch beim Nachkochen tauchen einige Probleme auf: häufig ist schwarzer oder roter Quinoa als Zutat angegeben, und der ist nicht ohne weiteres erhältlich, im Gegensatz zum weißen Quinoa. Die Backrezepte ergeben u.U. unbefriedigende Ergebnisse - beim Gebäck lässt sich das Klebereiweiß von Getreide doch nicht so einfach ersetzen. Für einige Süßspeisen soll Quinoa "gepufft" werden, auch das ist weniger einfach als im Buch dargestellt. Auch Quinoa Flakes habe ich nur im Internet gefunden. Und schließlich gibt die Autorin selbst ein Argument gegen den Kauf von Quinoa. Wegen des Exportes fehlt das Nahrungsmittel den Bewohnern der Anden, die es ursprünglich für den eigenen Bedarf und mit nur geringen Erträgen anbauen. Bei großer Nachfrage für den Export beginnen die negativen Mechanismen extensiver Monokulturen: Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Verarmung der Böden, Vertreibung der Kleinbauern usw. Der Rat, nur Quinoa aus fairem Anbau zu kaufen, klingt da etwas blauäugig. Ebenso blauäugig ist der Rat, das Korn im eigenen Garten anzubauen. Für nur ein einziges Gericht für 4 Personen wäre dann ein großer Teil der Gartenfläche verbraucht - bei durchschnittlicher Größe der hiesigen Gärten. Außerdem ist die Gewinnung der Samen aus den Pflanzen ohne die nötige Ausstattung höchst mühsam und eigentlich nicht durchzuführen. Bei den Rezepten sind durchaus interessante Varianten bekannter Gerichte mit dem Andenkorn vorhanden, aber insgesamt halte ich das Buch für wenig empfehlenswert.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Quinoa - Korn der Anden
Anja Völkel. Ill. von Kirsten Maria Peter
pala-Verl. (2015)
174 S. : Ill.
fest geb.