Ich bin niemand
Der Geschichts-Professor Jeremy O'Keefe, der an der New York University deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts lehrt und das zuvor zehn Jahre lang in Oxford getan hat, glaubt zunächst an einen Zufall, möglicherweise an eine beginnende Demenz, als
er feststellt, dass jemand in seinem Namen Mails verschickt. Schon bald häufen sich die merkwürdigen Ereignisse und Jeremy fühlt sich zunehmend verfolgt. Er fürchtet, unter Paranoia zu leiden. Dann erhält er plötzlich seltsame Pakete, die ihm zeigen, dass sein Leben komplett überwacht wird, was er nicht verstehen kann, wo er doch ein "Niemand" ist. Ob die merkwürdigen Ereignisse mit seiner Zeit in Oxford zusammenhängen? - Flanerys Thema ist die Bedrohung durch allumfassende persönliche Überwachung in digitalisierten Zeiten ebenso wie die wachsende Angst vor Terror. Umständliche Abschweifungen durch Exkurse über lateinische Deklinationen, nicht weiterführende Rückblenden in die Vergangenheit oder Beschreibungen von Filmszenen bremsen die Lektüre jedoch aus und tragen nicht gerade zum Genuss dieses hochaktuellen Romans bei. O'Keefe schreibt als Icherzähler, deshalb gibt es sehr viele innere Monologe und wenig Handlung. Sein Schreiben sieht er als Dokumentation, von der er hofft, sie werde seine Unschuld und zugleich auch seine Gewöhnlichkeit und Bedeutungslosigkeit beweisen - "und dass ich letztlich bin wie jeder andere, wie Du, der Du am Ende dieser (letzten) Seite angelangt bist". Ein Roman mit hochaktuellem Thema, allerdings etwas langatmig geraten. (Übers.: Reinhild Böhnke)
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Ich bin niemand
Patrick Flanery
Blessing (2017)
397 S.
fest geb.