Unter Grund
Franka ist Referendarin und besucht mit ihren Schülern 2017 den NSU-Prozess in München. Als ein Schüler die Angeklagte „Nazischlampe“ nennt, gerät Franka in Panik, denn sie selbst war als Jugendliche in der rechten Szene aktiv und hatte sich
selbst in großen Lettern als „Nazischlampe“ an einer Hauswand geoutet. Sie flüchtet in ihr Heimatdorf und der Leser erfährt aus ihren Erinnerungen, wie sie dort als Fünfzehnjährige mehr und mehr von den Neonazis vor Ort fasziniert war und in die Szene abrutschte. Hinzu kommt, dass Franka große Probleme mit ihrer Familie hat, die über vieles nicht spricht und Familiengeheimnisse nicht preisgibt. – Dieser Roman ist fein aufgebaut, klar geschrieben und behandelt ein wichtiges Thema. Man könnte ihm höchstens vorwerfen, dass er zu wenig drastisch ist und zu sehr Happy End. Empfohlen für alle Bestände.
Ruthild Kropp
rezensiert für den Borromäusverein.
Unter Grund
Annegret Liepold
Blessing (2025)
255 Seiten
fest geb.