Tiefer Winter
Der 40-jährige Danny Bedford ist geistig behindert, seit er beinahe ertrunken wäre. Er arbeitet im Waschsalon Wash 'N Dry der Eheleute Bennett in der Kleinstadt Wyalusing, in der Alkohol im Übermaß fließt und Schusswaffen zum Alltag gehören.
Das Wash 'N Dry ist Dannys Zuhause, seit dem Tod seines hartherzigen Onkels, bei dem er aufwuchs, nachdem seine Eltern beim Versuch, ihn zu retten, selbst ertranken. Danny, ein Riese von Gestalt, ist gutmütig und tut keiner Fliege etwas zu Leide. Er lebt zurückgezogen, von den Nachbarn wird er gemieden. Nur die Bennetts schätzen ihn, weil er zuverlässig seine Arbeiten erledigt, und Mindy, die Bedienung in seinem Stammlokal "Friedenshutten" ist nett zu ihm. Dannys liebste Beschäftigung ist das Schnitzen. Jetzt hat er für Mindy ein Rotkehlchen geschnitzt, das er ihr zu ihrem 40. Geburtstag vorbeibringen will. Als er jedoch den Trailer betritt, in dem Mindy wohnt, liegt diese tot am Boden. Deputy Mike Sokowski, und sein Freund Carl hatten Mindy nach einem Partybesuch volltrunken aufgesucht ... Eine unaufhaltsame Spirale aus Gewalt und Verbrechen setzt sich in Gang. – Samuel W. Gailey gewährt in seinem neuen Roman mit einer der sozialen Umgebung angemessenen, äußerst rauen Sprache eindringliche Einblicke in die düstere Realität von Provinzorten in den USA. Mit einem meisterhaften Erzählstil und vielschichtigen Figuren zeichnet der Autor ein erschütterndes Psychogramm menschlicher Abgründe. Schonungslos und intensiv entfaltet sich eine Geschichte voller Gewalt, Tragik und moralischer Zerrüttung. Ein kompromissloser Noir-Roman, der nichts beschönigt – empfohlen nur für aufgeschlossene Leserinnen und Leser, die bereit sind, sich auf verstörende Szenen, rohe Sprache und eine Atmosphäre der Trostlosigkeit einzulassen.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Tiefer Winter
Samuel W. Gailey ; aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf
Polar Verlag (2025)
291 Seiten
fest geb.