Die Kichererbsen der Señora Dolores
Stevan Paul gelingt es in seinen Kochgeschichten den Leser in die Küchen, Backstuben und Restaurants von Menschen unterschiedlichster Herkunft zu entführen. Voller Emotion erzählt er zum Beispiel von Señora Dolores, einer alten und inzwischen dementen
Frau, die in Jerez di Frontera durch den Geruch eines Kichererbsen-Eintopfs kurzzeitig zu altem Können als Köchin zurückfindet. Tragisch endet die Geschichte eines nordfriesischen Fischers, dem die See seine Lieben genommen hat. Ein auf Hygiene spezialisierter Beamter des Gesundheitsamtes in München kommt über einen Inder und seine Gewürze zu neuer Gesundheit und Lebensfreude. Hypersensible Geruchsmenschen finden über das Essen zueinander. Ein Postbote trifft in Japan einen sympathischen Kollegen und entdeckt die Köstlichkeiten der fernöstlichen Küche. Während 2032 Fleisch aus dem 3-D Drucker kommen könnte, erinnern sich heute ein Mann, der weltweit Restaurants einrichtet und ein Vertreter für Dampfgarer an ihre Lehr- und Küchenzeit in Berlin. Weil Liebe durch den Magen geht, kommen sich eine Buchhändlerin und ein Barmann aus Wien über ein Hühnerherzen-Gulasch näher. Den Abschluss bildet ein Oberkellner und Sommelier, der in Rente gehen muss, keine Perspektive für sich sieht und wie durch ein Wunder von jungen Kollegen um Hilfe gebeten wird. – Ein unterhaltsames, gelegentlich nachdenklich machendes, immer aber abwechslungsreiches Buch übers Kochen und Essen, dessen interessante Rezepte (ohne Fotos) den Leser rund um die Welt führen, zum Nachkochen einladen oder einfach nur mit seinen Geschichten begeistert. Empfehlenswert für alle Büchereien.
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Kichererbsen der Señora Dolores
Stevan Paul ; [Illustrationen und Covergestaltung:] Andrea Pieper
mairisch (2024)
207 Seiten : Illustrationen
fest geb.