Das ferne Dorf meiner Kindheit
Rüstem kann es nicht erwarten, endlich ein Mann zu sein, damit er nicht mehr am Fluss von seiner Oma gewaschen werden und die Kommentare der Frauen und Mädchen ertragen muss. Doch noch geht er nur in die Koranschule bei Molla Mahfuz, und freut sich
immer, dort dessen Tochter Latife zu sehen, in die er unsterblich verliebt ist. Der Alltag im Dorf ist beschwerlich und erbarmungslos, es regnet durch das undichte Dach, und zum Opferfest wird der kleine Widder geschlachtet, den Rüstem mit der Milchflasche nach dem Tod dessen Mutter aufgezogen hatte. Als Rüstem endlich in die Schule gehen darf, versteht er den Lehrer kaum, und es ist ihm fortan unter Strafe verboten, Kurdisch zu sprechen. Auch einen neuen Namen muss er sich zulegen, denn der Vater möchte für ihn keinen Schulausweis beantragen, sondern gibt ihm den Ausweis seines verstorbenen Bruders Yakup. Yavuz Ekinci ist ein begnadeter Erzähler und berichtet von einer Zeit und von Konflikten, die längst vergangen scheinen, doch weiter nachwirken.
Martina Häusler
rezensiert für den Borromäusverein.
Das ferne Dorf meiner Kindheit
Yavuz Ekinci ; aus dem Türkischen von Gerhard Meier
Verlag Antje Kunstmann (2023)
351 Seiten
fest geb.