Die Zeit im Sommerlicht

Wie viele indigene Völker haben auch die Samen (auch sámi, früher sprach man auch von Lappen) viel Leid erfahren. Nördlich des Polarkreises leben sie – teilweise als Nomaden – in Norwegen, Schweden und Finnland. Erzählt wird von fünf Kindern, Die Zeit im Sommerlicht die Mitte der 1950er-Jahre aus ihren Familien genommen (gerissen) werden, um auf einem Internat die schwedische Sprache und „Kultur“ zu lernen. Fernab ihrer Heimat und den geliebten Rentieren erleben sie körperliche wie psychische Gewalt und Erniedrigung. Ihre samische Kultur hat keinen Wert, die Kinder bekommen neue „schwedische“ Namen. Besonders „Hausmutter“ Rita Ollson erzieht mit aller Härte. Allein Anna, eine sámi, hält zu den Kindern und gibt ihnen so etwas wie Vertrauen. Doch eines Tages ist Anna weg. Die Kinder haben unterschiedlich schwer an den Erlebnissen, Erfahrungen und ihrem Schicksal zu leiden. Alle tragen eine Last mit sich. Jahrzehnte später, Rita Ollson ist inzwischen ein Pflegefall, taucht Anna wieder auf, sie musste das Heim nach ungeheuren Vorwürfen überstürzt verlassen. Nun ist sie schwer krank und muss bald sterben. Ihr Tod bietet die Chance für ein Wiedersehen der damaligen Heimkinder. Jana Maria Backhaus-Tors liest die Romanvorlage der samischen Autorin Ann-Helén Laestadius ungekürzt. Man braucht etwas Konzentration, um sich an die unterschiedlichen Namen der handelnden Personen und die zwei Zeitebenen (1950er- und 1980er-Jahre) zu gewöhnen. – Ein bedrückender und beeindruckender Roman über ein kaum bekanntes Kapitel skandinavischer Geschichte.

Felix Stenert

Felix Stenert

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Zeit im Sommerlicht

Die Zeit im Sommerlicht

Ann-Helén Laestadius ; gelesen von Jana Marie Backhaus-Tors ; aus dem Schwedischen von Maike Barth [und einer weiteren]
steinbach sprechende bücher (2024)

1 mp3-CD (circa 680 min)
mp3-CD

MedienNr.: 619353
ISBN 978-3-98736-075-6
9783987360756
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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