Mit wem waren Sie als Kind in der KÖB und welche war das?
Meine erste Bücherei war in St. Laurentius in Aachen Laurensberg, direkt neben der Kirche. Als Kinder haben wir diesen Ort geliebt, so viele Bücher und wir konnten ausleihen, was wir wollten. Meine Mutter hatte uns immer schon viel vorgelesen. Sie ist selbst ein richtiger Bücherfan und liest bis heute. Mein Vater hat nach seiner Rente in der Bücherei ehrenamtlich mitgearbeitet.
Wie alt waren Sie damals und welche Erinnerungen haben Sie daran?
Meine ersten lebhaften Erinnerungen habe ich, als ich ungefähr zehn Jahre alt war. Das war wohl so in etwa auch das Alter, in dem ich von der Kinderbuchecke in die Jugendbuchecke gewechselt bin. Dort standen die 24 Bände der Reihe „Blitz, der schwarze Hengst“, die ich alle ausgeliehen und gelesen habe. Eine Geschichte von Freiheit und Abenteuer! In der Bücherei war es, glaube ich, die Fülle, die mich als Kind schon so begeistert hat. Auch heute noch fahre ich mit einer Unmenge an Büchern in den Urlaub. Denn es ist einfach schön, spontan auswählen zu können, was man als Nächstes lesen möchte. Und bei meiner letzten Hüttentour – mit sehr leichtem Gepäck – war ich heilfroh, dass ich auf der ersten Hütte dann gute Lektüre vorfand: „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger.
Was bedeutet Ihnen die Katholische Öffentliche Bücherei heute und wie engagieren Sie sich?
Heute bin ich tatsächlich selbst in der Bücherei meiner Heimatgemeinde aktiv – St. Michael in Neuwied Feldkirchen. Wir haben vor einigen Monaten unseren Kirchraum umgestaltet, die vielen, sonntags zumeist leer bleibenden, Bänke abgebaut, und einen kleineren Stuhlkreis aufgebaut. Man sieht sich so gegenseitig besser und alle Plätze sind besetzt. Aus den alten Bänken hat uns der örtliche Schreiner einen sehr schönen Altar gebaut, den wir in die Mitte des Stuhlkreises stellen konnten. Aus dieser Umgestaltung hat sich ein tolles Begegnungsangebot entwickelt: „Aufbruch in die Mitte – Mut zur Lücke“. Jeden Mittwoch bietet das Team unserer „Mittwochs-Kirche“ reihum etwas an. Eine Freundin und ich laden z. B. regelmäßig zum „Textil-Repair-Café“ ein, und als im Winter die Kirche aus Kostengründen nicht mehr geheizt wurde, haben wir die Bücherei mit eingebunden. Seitdem hat immer mittwochs unser Bücher-Café geöffnet. Unter dem Motto „Kaffee, Kekse & Begegnung“ haben wir es am 10. Dezember 2025 feierlich eröffnet. Alle Interessierten aus dem Dorf sind herzlich willkommen. Die Runde ist mal größer, mal kleiner, mal ist es lustig, mal werden schwerere Erinnerungen geteilt – so wie das Leben eben gerade ist. Aber immer gibt es aus den bunten Sammeltassen, die jemand aus unserer Gruppe aufgetrieben hat, guten Kaffee und Tee und wir sitzen gemütlich zwischen den Büchern. Das Bücher-Café ist ein neuer Anlaufpunkt für viele geworden und ich freue mich sehr darüber.
Als Kind in der KÖB
Diese Reihe des Borromäusvereins stellt in loser Folge bis zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2026 Menschen aus beruflich ganz unterschiedlichen Bereichen vor, die als Kinder oder Erwachsene eng mit der KÖB verbunden waren oder bis heute noch sind.
Teil 1: Eva Maria Welskop-Deffaa
Teil 2: Weihbischof Robert Brahm
Teil 3: Birgit Mock