Als Kind in der KÖB

Weihbischof Robert Brahm

Weihbischof in Trier, Vorsitzender der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises

Mit wem waren Sie als Kind in der KÖB und welche war das?

Mit Freunden war ich in der KÖB Oberwesel. Diese Bücherei ist weit mehr als eine klassische Bücherei. Mitten im historischen Mittelrheintal verbindet sie Lesen, Bildung und Gemeinschaft auf besondere Weise. Ehrenamtlich getragen und offen für Menschen jeden Alters bietet sie Kindern, Jugendlichen und Familien einen niederschwelligen Zugang zu Literatur, Wissen und zu Geschichten. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung bleibt die Bücherei ein lebendiger Ort, an dem Geschichten Menschen verbinden und deren Horizonte weiten. 

Wie alt waren Sie und welche Erinnerungen fallen Ihnen ein?

Ich war damals ungefähr neun oder zehn Jahre alt. Aus dieser Zeit habe ich viele schöne Erinnerungen an die KÖB. Besonders erinnere ich mich an die ruhige und gemütliche Atmosphäre. Für mich ein Ort, an dem ich einfach abschalten konnte. Ich bin oft nach der Schule oder an Sonntagen nach der Messfeier hingegangen und habe mir Bücher ausgeliehen.

Gab es denn Lieblingsbücher, die Sie besonders geprägt haben?

Ja, ein Kinderbuch, das mich seit meiner Kindheit begleitet, ist „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Die Abenteuer der beiden haben mich schon damals fasziniert. Ihre Reisen ins Ungewisse, die Begegnungen mit fremden Welten und Menschen, aber auch den Mut, sich Gefahren zu stellen und anderen beizustehen. Hinter dieser fantasievollen Geschichte steckt viel Menschlichkeit. Es geht im Grunde um Freundschaft, Vertrauen, Zusammenhalt und darum, dass jeder Mensch unabhängig von Herkunft und Aussehen seinen unverlierbaren Wert besitzt. Gerade diese Mischung aus Abenteuer und tiefer menschlicher Botschaft macht meines Erachtens gute Kinderliteratur aus. Solche Bücher eröffnen jungen Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, über den eigenen Lebenshorizont hinaus-zudenken und Fragen nach Sinn, Hoffnung und Zusammenhalt zu stellen.

Weihbischof Robert Brahm
Weihbischof Robert Brahm (Foto: Bistum Trier)

Ohne die KÖB – Wie hat die Bücherei vor Ort Ihre Lesesozialisation geprägt?

Ganz wesentlich. Als Kind war sie für mich ein besonderer Ort: ruhig, offen und zugleich voller Entdeckungen. Dort habe ich nicht nur die Freude am Lesen entwickelt, sondern auch gelernt, wie Bücher Horizonte erweitern können. Besonders beeindruckt hat mich, dass man dort Menschen begegnete, die sich ehrenamtlich mit viel Herz engagierten und Kinder ernst nahmen. Ich erinnere mich, dass ich zunächst vor allem Abenteuer- und Jugendbücher ausgeliehen habe. Später kamen dann religiöse Geschichten, Biografien und Sachbücher dazu. Rückblickend würde ich auch sagen, dass dort nicht nur meine Liebe zum Lesen geweckt wurde, sondern auch mein Verständnis dafür geprägt wurde, wie wichtig kirchliche Orte für Bildung, Begegnung und persönliche Entwicklung sein können.

Was bedeutet Ihnen die Katholische Öffentliche Bücherei heute?

Sehr viel! Ein kultureller und zugleich menschlicher Ort, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnelllebig und oberflächlich geworden ist, schaffen Büchereien Räume für Bildung, Orientierung und persönliche Begegnung. In meiner Aufgabe als Vorsitzender der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises beschäftige ich mich intensiv mit Literatur, die junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung begleitet. Mich begeistert immer wieder, wie kraftvoll Geschichten existentielle Themen erschließen können. Solche Literatur kann Orientierung geben und belastbare Antworten liefern. Sie stärkt Empathie, Mitgefühl und die Fähigkeit, andere Perspektiven wahrzunehmen. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, dass Kindern Zugang zu solchen Büchern eröffnet wird. KÖBs leisten hier einen wertvollen Beitrag. Deshalb sehe ich ihre Arbeit auch als einen wichtigen Dienst der Kirche an der Gesellschaft.

Herzlichen Dank für das Interview!

Antje Ehmann hat die Fragen gestellt

 

Als Kind in der KÖB

Diese Reihe des Borromäusvereins stellt in loser Folge bis zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2026 Menschen aus beruflich ganz unterschiedlichen Bereichen vor, die als Kinder oder Erwachsene eng mit der KÖB verbunden waren oder bis heute noch sind.

Teil 1: Eva Maria Welskop-Deffaa
Teil 2: Weihbischof Robert Brahm