Mit wem waren Sie als Kind in der KÖB und welche war das?
Das war in Arnsberg im Sauerland und es war die Pfarrbibliothek, die Borromäusbücherei am Hirschberger Tor. Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, als Kinder noch alleine in Bibliotheken gehen durften. Das habe ich auch getan. Denn meine Eltern hatten andere Dinge zu tun und die Regel bei uns war: Ich musste zuhause sein, wenn die Laternen angingen.
Wie alt waren Sie und welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ich war acht Jahre alt und die Bücherei war einer meiner Lieblingsorte, besonders im November, wenn es kalt war und regnete. Leider gab es dort nur ein einziges Regal mit Kinderbüchern. Da ich eine Leseratte war und in der Woche mindestens fünf Bücher las – meistens mit Taschenlampe unter der Bettdecke - war dieses Regal schnell ausgelesen … Aber die wunderbare Bibliothekarin kannte mich und wusste, dass ich Lesefutter brauchte! Also hat sie mir Bücher aus der Erwachsenenabteilung herausgesucht.
Wie hat die Bücherei Ihre Lesesozialisation geprägt?
Für mein ganzes Leben hat mich das geprägt. Ich habe Melvilles „Moby Dick“ gelesen, Jack Londons „Wolfsblut“ und nicht zuletzt die traurige Geschichte vom „Rosenresli“ von Johanna Spyri. Ich weiß noch genau, dass ich damals zum Abendbrot nur trockenes Brot und Äpfel essen wollte. Denn das Rosenresli hatte gesagt, dass man davon rote Wangen bekommt … Meine Mutter war zwar anderer Meinung, aber nichts und niemand konnte mich umstimmen. Unvergessen auch, wie das Rosenresli unterm Rosenbogen steht und in ihr weißes Taschentuch hustet – Bluthusten, an dem sie gestorben ist. Für mich gab es nichts Schöneres, als im warmen Bett zu liegen – dem sicheren Hafen – und von der wilden Welt zu lesen. Von Gefahren, Ungerechtigkeit und all dem, was ich erst viel später erleben musste. Aber immerhin – ich war vorbereitet. Das verdanke ich einer klugen Bibliothekarin und einer kleinen Borromäusbücherei in Arnsberg im Sauerland.
Was bedeuten Ihnen Katholische Öffentliche Büchereien heute?
Diese kleinen Bibliotheken sollten wir hüten wie einen kostbaren Schatz. Denn es sind nicht nur die Bücher, die dort stehen und die gelesen werden wollen, sondern es sind vor allem die wunderbaren, klugen Bibliothekarinnen, denen wir dort begegnen können!
Als Kind in der KÖB
Diese Reihe des Borromäusvereins stellt in loser Folge bis zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2026 Menschen aus beruflich ganz unterschiedlichen Bereichen vor, die als Kinder oder Erwachsene eng mit der KÖB verbunden waren oder bis heute noch sind.
Teil 1: Eva Maria Welskop-Deffaa
Teil 2: Weihbischof Robert Brahm
Teil 3: Birgit Mock
Teil 4: Dr. Michael Ziemons
Teil 5: Jutta Richter