Kinderbücher über Menschenrechte
Am 10. Dezember ist der Internationale Tag der Menschenrechte – in Erinnerung an 1948 und den Tag, an dem die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ verfasst wurde. Auch im erzählenden Bilderbuch und im Kindersachbuch wird in Text und Bild gestaltet, welche Bedeutung die Menschenrechte haben. Antje Ehmann hat die Künstler gefragt, ob oder inwiefern sie persönlich Erfahrungen mit den Menschenrechten gemacht haben, und die folgenden Antworten bekommen.
„Elise Gravel übersetzt in Alle Menschen die abstrakten Prinzipien der Menschenrechte in eine Sprache, die Kinder verstehen und Erwachsene mitfühlen können: Würde, Respekt, Gleichwertigkeit, Vielfalt und Zugehörigkeit. Diese Worte stehen auch in der Menschenrechtscharta, aber hier werden sie leicht zugänglich und mit Herz vermittelt“, so Saskia Heintz, Übersetzerin dieses Bilderbuches, das in Gravels unverkennbarem Stil auf jeder Doppelseite einen anderen Aspekt in den Blick nimmt. Schon Kinder ab drei Jahren werden sich damit beschäftigen können und zu Situationen wie Angst haben, sich ein sicheres Zuhause wünschen oder Hilfe brauchen im gemeinsamen Gespräch ihre Gedanken äußern.
Fake – Ein Buch für alle Kinder, die sich nicht veräppeln lassen wollen und Freiheit ... du große Wundertüte! von Sybille Hein sind zwei federleichte und zugleich prall gefüllte Bilderbücher, die mit Humor und Klugheit Kindern wesentliche Werte vermitteln. „Ich möchte Kindern früh Lust machen, sich mit Problemfragen unserer Gesellschaft zu beschäftigen und gleichzeitig zeigen, dass viele Fragen und Herausforderungen auch schon ihre Kinderwelt betreffen“, so die Berliner Künstlerin, die sich auch in Veranstaltungen und Workshops direkt mit Kindern zu diesen Themen austauscht. Eine Idee, die auch gut vor Ort in der jeweiligen Bücherei umzusetzen ist.
Direkt in die Tat umgesetzt haben die isländischen Frauen ihr Vorhaben am 24. Oktober 1975 und Lina Olafsdottir widmet und gestaltet diesen historischen Tag in einem Sachbilderbuch mit dem Titel Der Tag, als die Frauen streikten, das auf der diesjährigen Nominierungsliste des Deutschen Jugendliteraturpreises steht. Denn die Vereinten Nationen erklärten das Jahr 1975 zum Internationalen Jahr der Frau. Übersetzerin Anna Schaub hat schon lange mit Menschenrechten zu tun. „Ich arbeite an einer Schule und organisiere alle drei Jahre eine Ausstellung zu diesem Thema, durch die ich die 12- bis 15-jährigen Schüler dann auch führe. Denn ich finde es enorm wichtig, dass wir vermehrt über die Menschenrechte erfahren, damit wir uns auch für sie einsetzen können.“
Einen guten Überblick bietet das handliche Taschenbuch Eine Welt für alle – Menschenrechte, Globalisierung und die Arbeit der Vereinten Nationen. Ein Sachbuch, das Kinder ab 10 Jahren mit vielen wertvollen Informationen zu Frieden, Erderwärmung, Flucht, Bildung, Hunger und Armut versorgt. „Vor der Recherche war mir nicht klar, dass der Menschenrechtsrat der UN alle viereinhalb Jahre die Lage in allen Ländern prüft und beurteilt – also auch in Deutschland, zuletzt 2023. Es ist wichtig, dass wir uns zwischendurch klarmachen, dass auch bei uns längst nicht alles perfekt ist“, so Autorin Dela Kienle. Das Kinder mitreden und mitgestalten können, dafür bietet dieses Werk eine hilfreiche Basis - kombiniert mit vielen Ideen!
Frei und gleich – Die Menschenrechte ist ebenso sehr für Jugendliche wie für Erwachsene bereichernd und bietet im Anhang alle 30 Artikel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“. Rotraut Susanne Berner hat die wahren Geschichten klug kommentiert und zu den Kapiteln Illustrationen zum Weiterdenken geschaffen. „Ich habe durch das Buch eigentlich zum ersten Mal die Bedeutung der Menschenrechte so richtig verstanden. Mich selbst beschäftigt das große Thema der Meinungsfreiheit, der Umgang mit Wahrheiten respektive Lügen“, so die vielfach ausgezeichnete Münchner Künstlerin. Autorin Angelika Nußberger, ehemalige Richterin und Vizepräsidentin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, erklärt „klug, genau und in sehr verständlicher Sprache“, ergänzt Berner noch.
Der Klang der Freiheit entführt die Betrachter in komplizierte Gefilde und begeistert zunächst durch die außergewöhnlichen Illustrationen von Valeria Docampo. Ein Mann widersetzt sich dem Gesetz und hört dem Gesang des Vogels zu. Dieser bedeutet ihm so viel, dass er jahrzehnte-lange Qualen seitens des tyrannischen Königs erträgt. „Das Thema Menschenrechte so poetisch darzustellen, kindgerechte Worte und Bilder zu finden für Grausamkeiten, die leider jeden Tag geschehen, das ist etwas sehr besonderes“, so Anna Taube. So kann man nach der Lektüre über weltweite Menschenrechtsverletzungen ins Gespräch kommen. Erfahrungen, die der Übersetzerin nicht fremd sind. Kommt sie doch bei ihrem Engagement in der Flüchtlingshilfe oft damit in Kontakt. „Krieg und Verfolgung sind eklatante Menschenrechtsverletzungen und kein Mensch verlässt freiwillig seine Heimat. Das wird von vielen vergessen.“