Auf ganz dünnem Eis
Ein Schweizer Skilehrer lässt nach einem tödlichen Unfall auf der Piste sein altes Leben hinter sich und arbeitet nun in einer Skihalle im Ruhrgebiet. Hier trifft er die Holländerin Lieke, deren Zuneigung ihm einen neuen hoffnungsvollen Weg in die
Zukunft eröffnet. Eine in ihrem Beruf bisher wenig erfolgreiche Schauspielerin kann keine echte emotionale Bindung zu ihrem Freund Manuel aufbauen, lebt aber mit ihm zusammen. Als sie den Arzt Jonas kennenlernt, entsteht eine ungewöhnliche Beziehung. Sie sehnt sich nach – auch erotischen – Nachrichten von ihm, ohne eine echte Verbindung eingehen zu wollen. Als sie von Jonas schwanger wird, bleibt ihr auch das Kind in ihrem Bauch fremd und sie begeht Selbstmord. – Stamms Geschichten tauchen unvermittelt, meist aus der Ich-Perspektive, in einen prägenden Lebensabschnitt seiner Figuren ein. Seine Charaktere durchleben gerade Lebenskrisen, ringen mit ihren brüchigen Emotionen so, wie generell das Emotionale im Mittelpunkt der Geschichten steht, während die äußeren Lebensumstände der Protagonisten häufig verschwommen bleiben, wie im Nebel. Dadurch entsteht eine mitreißende Intensität mit geradezu poetischen Zügen. Ein wohltuender Erzählstil in einer von Drama und Zuspitzung geprägten Zeit. – Sehr zu empfehlen!
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Auf ganz dünnem Eis
Peter Stamm
S. FISCHER (2025)
190 Seiten
fest geb.