Spiel auf vielen Trommeln
Mit ihrem einzigartigen, unverwechselbaren Duktus zieht Olga Tokarczuk die Leserinnen und Leser ihrer Erzählungen in den Bann. Alltägliche Situationen werden zu fantastischen Begebenheiten und führen in eine verrückte Welt. Da ist die kafkaesk
anmutende Geschichte eines englischen Professors für Psychologie, der zu einem Vortrag nach Warschau eingeladen wird und plötzlich auf sich allein gestellt, in der fremden Umgebung verloren geht. "Mach die Augen auf, du lebst nicht mehr" erzählt von einer Frau, die beim Lesen eines Krimis in den Sog der Handlung hineingezogen wird. Eine polnische Schriftstellerin ist zu Gast auf einem Schloss und erschafft sich in diesem "Schottischen Monat" vollkommen neu. Das Motiv des Trommelns in der titelgebenden Erzählung "Spiel auf vielen Trommeln" steht für den Variantenreichtum der Kommunikation, aber auch für das Privileg, in andere Rollen schlüpfen zu können, die eigene Identität zu hinterfragen, sich zu verwandeln und in dieser Veränderung wahrgenommen zu werden. Absolut lesens- und empfehlenswert!
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Spiel auf vielen Trommeln
Olga Tokarczuk ; aus dem Polnischen von Lisa Palmes und [einem weiteren]
Kampa (2026)
380 Seiten
fest geb.