Wie wir brennen
Edith ist Bildhauerin und lässt, während sie auf den Tod wartet, ihr Leben an sich vorbeiziehen: eine Kindheit mit ihrer schwerbehinderten Mutter Naomi, einer Schriftstellerin, die nach einer Hirnblutung nicht mehr schreiben konnte. „Man hatte
ihr Leben gerettet, aber nicht ihr Ich“; Erinnerungen an ein Austauschprogramm in Japan, wo sie nach ihrem Abschluss an der Kunsthochschule die Technik der Holzverbrennung erlernt. Nachdem sie einen Preis für ihr Werk gewonnen hat, kauft sie im Alter von 29 Jahren eine einsam gelegene alte Lagerhalle namens „Burntcoat”. Kurz nachdem sie ihre große Liebe Halit kennenlernt, bricht eine Epidemie aus, die die beiden in die Isolation ihrer Wohnung in „Burntcoat” zwingt. Edith und Halit versuchen, der Hilflosigkeit mit ihrer Liebe füreinander zu trotzen: „Wir hatten nur die Liebe; als Währung war sie nutzlos, aber beim Verdrängen eine Macht“. Die detaillierte Beschreibung der Ausbreitung des Virus', die Erkrankung und das Sterben Halits und schließlich ihr eigenes Erkranken wecken schmerzliche Erinnerungen an die Corona-Pandemie. Das Brennen zieht sich als Metapher durch die Geschichte – brennende Begierde der Liebenden und brennende künstlerische Kraft: „Ich bin das Holz im Feuer … Ich wurde verbrannt und beschädigt, und danach war ich umso widerstandsfähiger.” Ein intensiver, nachdenklich stimmender Roman für anspruchsvolle Leser/-innen.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Wie wir brennen
Sarah Hall ; aus dem Englischen von Eva Bonné
Penguin Verlag (2023)
235 Seiten
fest geb.