Das Vogelhaus
Der Mittdreißiger Leonard, gerade eben am Theater entlassen, fährt spontan nach Hause zu seinen Eltern, von Berlin an den beschaulichen Niederrhein. Dort scheint die Zeit ein bisschen stehengeblieben zu sein. Eine Immobilienanzeige weckt sein Interesse.
Das sogenannte Vogelhaus steht zum Verkauf. Leonard erinnert sich an seine Zeit als Zivildienstleistender, als er dort den Hausbewohner und vier Papageien betreuen musste. Er und seine Kollegen fürchteten sich vor dem unheimlichen Bewohner und den Attacken der Vögel. Jan Weiler erzählt auf zwei Zeitebenen. Im Heute möchte Leonard die verborgenen Rätsel des Hauses lösen und dabei taucht er ein in Erinnerungen an seine Dienstzeit bei der „mobilen Hilfe“. – Leserinnen und Leser, die die bisherigen Bücher von Jan Weiler gerne mochten, werden vermutlich verwundert sein. Es ist eine sehr ruhige, langsam fließende Geschichte, ohne den hintergründigen Humor und den Sprachwitz, für den der Autor bisher bekannt ist. Die Mischung aus ein bisschen Grusel, ein bisschen Coming of Age und ein bisschen Sozialreportage hinterlässt leider keinen bleibenden Eindruck. In Büchereien ist aber natürlich eine gewisse Nachfrage zu erwarten.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Vogelhaus
Jan Weiler
Wilhelm Heyne Verlag (2026)
349 Seiten
fest geb.