Abschied(e)
Der Autor schreibt im Alter von 78 Jahren sein "definitiv … letztes Buch", seinen offiziellen Abgesang, das letzte Gespräch mit seinen Leser:innen. Er möchte diesen Roman in Ruhe zu Ende schreiben, bevor die Krankheit ihn ausbremst. Mit der Diagnose
"Blutkrebs" (in seinem Fall unheilbar, aber beherrschbar) setzt das Nachdenken über die Vergangenheit und über den Prozess des Erinnerns ein. Erinnerung ist Identität und damit unerlässlich für das autobiografische Schreiben. Was die erste Hälfte des Romans betrifft, so ist Barnes voll und ganz auf die Erinnerung angewiesen. Sie führt ihn zurück nach Oxford, in seine Studienzeit und die enge Freundschaft zu Stephen und Jean. Vierzig Jahre lang haben sich die Hauptbeteiligten nicht gesehen, bis sie in einer wahrhaft schicksalhaften Begegnung wieder zusammentreffen. Das Motiv des Abschieds, für Barnes ein Mittelding zwischen Gehen und Bleiben, zieht sich als roter Faden durch den essayistisch angelegten Roman. Es ist das Abschiednehmen von Wegbegleitern, vom Schreiben, von den Leser:innen und letztendlich vom Leben selbst. Das nachdenkliche, melancholische und dennoch humorvolle und mutmachende Buch wird für alle Bestände sehr gern empfohlen.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Abschied(e)
Julian Barnes ; aus dem Englischen von Gertraude Krueger
Kiepenheuer & Witsch (2026)
238 Seiten
fest geb.