Die letzten Amerikaner

Junge Studenten der Kunst und Literatur im letzten Jahr machen sich Gedanken über ihre Zukunft. Wie wird sie aussehen? Werden sie eine „normale“ Berufslaufbahn wählen, nachdem sie fast alle Tänzer waren? Sie sind eine Gruppe von schwarzen und Die letzten Amerikaner weißen homosexuellen Freunden, die häufig Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern haben und eigentlich nur Liebe und Vertrauen suchen. Aber die gleichgeschlechtlichen Beziehungen, um die es hier ausschließlich geht, sind zumeist geprägt von unerfüllten Hoffnungen auf Nähe. Für die Protagonisten ist es bedeutend einfacher, sich einem Fremden auf der Toilette hinzugeben, als ihm zu sagen, dass man ihn kennenlernen möchte, weil man ihn interessant findet. Eigentlich wissen sie alle, was sie möchten und was nicht. Doch das mit dem jeweiligen Partner zu erreichen, gelingt ihnen nur selten. So erschöpft sich ihr gemeinsames Dasein nicht selten in endlosen Gesprächen darüber, wie sie sich ihr Leben miteinander vorgestellt haben – und weshalb sie sich besser voneinander trennen sollten. So träumt Seamus von einer Laufbahn als Lyriker, verbringt aber die meiste Zeit in der Küche eines Hospizes mit dem Zubereiten von Suppen. Und dass Fjodor sein Geld in einer Fleischfabrik verdient, ist seinem Partner Iwan ebenso suspekt wie Goran die Pornos, die Iwan dreht, um sich sein Auskommen zu sichern. Sämtliche Charaktere in Taylors Roman, in dem nur zwei Frauen marginal vorkommen, fühlen sich gefangen in ihren unerfüllten Beziehungen; doch das Einzige, was sie für ihr Unbehagen parat haben, sind Worte. Also reden und reden sie. Diese widersprüchlichen Gefühle, Sehnsüchte und Unsicherheiten sind vom Autor eindrücklich beschrieben, doch die detaillierte Darstellung aller Versuche, über häufigen Geschlechtsverkehr den richtigen Lebensentwurf zu finden, sind ermüden und erscheinen der Rezensentin fast nur als Mittel, um größere Aufmerksamkeit zu bekommen. Büchereien können auf diesen Titel verzichten – es gibt interessantere Romane zu Thema.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Die letzten Amerikaner

Die letzten Amerikaner

Brandon Taylor ; aus dem amerikanischen Englisch von Maria Hummitzsch
Piper (2024)

349 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619386
ISBN 978-3-492-07236-6
9783492072366
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.