Sommerschatten
Der Erzähler wird von einem schweren Sportunfall seiner Lebensgefährtin Ina überrascht. Beim Apnoetauchen hat sie das Bewusstsein verloren und musste ins künstliche Koma versetzt werden. Eine bislang unentdeckte Zyste verkompliziert den Heilungsprozess
und könnte Ina sogar das Leben kosten. Der Erzähler ist erschüttert und anfangs völlig überfordert. Zwischen Hoffen und Bangen erinnert er sich an ihr gemeinsames Leben und ihre Liebe. Gleichzeitig verwünscht er auch Inas Wagemut und ihre immer wieder aufkommende Schwermut, die sie zu hohen Risiken antrieb. Fast schon glaubt er, dass sie sich diesmal bewusst das Leben nehmen wollte, bis er Inas enge Freundin am Krankenbett beobachtet, die unerschütterlich daran glaubt, dass Ina aufwachen wird. – Der sehr einfühlsam, fast schon lyrisch geschriebene Roman beleuchtet sehr eng die turbulente Gefühlswelt des Erzählers. Der Alltag verschwimmt immer wieder mit den Erinnerungen, wann immer der Erzähler an einem Ort vorbeikommt, den Ina und er besucht haben. Die aufkommende Schwermut wird durch helle Lichtblicke der Berichte von glücklichen Zeiten oder auch hoffnungsvollen Nachrichten aus dem Krankenhaus unterbrochen. – Ein bewegender und sehr feiner Roman über die Ängste und Hoffnungen, die der drohende Verlust eines geliebten Menschen auslösen. Sehr zu empfehlen.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Sommerschatten
Urs Faes
Suhrkamp (2025)
155 Seiten
fest geb.