Schiff aus Stein
Der Autor, ein Salzburger, bereist schon seit Jahren abgelegene Winkel Mittel- und Osteuropas, ist aber weitgehend zu Fuß unterwegs, allein, mit seiner Frau, sucht aber immer wieder auch den Kontakt zu dort lebenden Menschen. Er erlebt viel, beobachtet
viel, Kleines und dennoch Bedeutsames, verknüpft Geschichten und Geschichte, Erlebtes und von seiner Fantasie Geschaffenes. Immer wieder wird der Leser überrascht, z.B. von der "Großen Wut" in Sibenik, die in den Gesichtern der Männer auf dem Fries der Kathedrale zu erkennen ist und die vom Autor selbst an einem anderen Ort persönlich erlebt wird. Andere Verknüpfungen zeigen sich beim Besuch von Novi Sad - das friedliche Zusammenleben dieser Menschen war nicht von Dauer, es kam zu Gewalttaten und Kämpfen. Die Varadin-Brücke zum Beispiel wurde von Nato-Bomben zerstört. Der Schluss der Geschichte ist ein völlig anderer, kommt unerwartet, ist komisch, beinahe zum Totlachen. - Karl-Markus Gauß, selbst ein begeisterter Leser, hat eine Reihe ähnlicher Bücher geschrieben und tritt in vielen öffentlichen Lesungen vor stets hingerissenem Publikum auf. Für seine Werke ist er seit Jahren schon mit den höchsten Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Dennoch kann es sein, dass nicht jeder Bücherfreund ihn schon kennt. Was also liegt näher als dieses Schmankerl, unterhaltsam und im besten Sinne "interessant".
Hardy Scharf
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schiff aus Stein
Karl-Markus Gauß
Paul Zsolnay Verlag (2024)
142 Seiten
fest geb.