Die Spur der Bambusbären
In den 1930er Jahren waren Pandabären oder Bambusbären, wie sie damals auch genannt wurden, weitgehend unbekannt. In dieser Zeit lebt Ruth Harkness mit ihrem Mann, dem Abenteurer Bill, in New York. Bill ist ein ruheloser Expediteur, der kurz zuvor
Warane aus Asien mitgebracht hat, die jetzt im New Yorker Zoo leben. Sein nächstes Projekt ist, lebende Pandabären in die USA zu bringen. Leider stirbt er bei der Vorbereitung des Projekts. In Trauer und gelangweilt vom ewig gleichen Ablauf des New Yorker Society-Lebens beschließt Ruth nach Bills Tod kurzerhand, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und schart ein großes Expeditionsteam um sich. Damals gestaltete sich die Eroberung der Wälder Tibets noch als großes Unternehmen, das Wochen und Monate in Anspruch nahm. Aber mit ihrem Team, das der erfahrene Jäger Quentin verstärkt, ist die Expedition von Erfolg gekrönt und sie finden einen lebenden Panda. Ruth schafft es schließlich, den kleinen Pandabären Su Lin, den sie mit der Flasche aufzieht, in die USA zu bringen. Das Abenteuer spielt vor dem Hintergrund des japanischen Angriffs in Shanghai, wo viele Szenen des Buches stattfinden. Die Stadt war bereits zu jener Zeit ein pulsierendes Zentrum, wo sich Menschen aus aller Welt trafen. Hier konnte Ruth auf Unterstützer und Freunde treffen. – Ruth Kornberger zeichnet ein lebendiges Bild der damaligen Zeit, als es noch unbekannte Gegenden und Tierarten gab, die zu entdecken waren. Die beschwerliche und abenteuerliche Reise, um überhaupt nach Tibet zu gelangen, kann der Leser sehr gut mitverfolgen. Eine leise Sehnsuchtsgeschichte zwischen dem Jäger Quentin und die eher vorherrschende Freundschaftsgeschichte zwischen Richard und Ruth verleihen der Story eine angenehme Tiefe. Die Geschichte beruht weitgehend auf Tatsachen, die fiktiven Teile bescheren dem Roman eine schöne Spannung. Ein Thema, das vielen Menschen sicher nicht so bekannt ist, wird hier in einen lesenswerten Roman verpackt!
Sonja Gast
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Spur der Bambusbären
Ruth Kornberger
C.Bertelsmann (2025)
352 Seiten
fest geb.