Good Morning, Boys and Girls
In einem originellen Setting schafft es die Autorin, unserer modernen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Zehn sehr eigenwillige Charaktere werden dabei für ein Wochenende in ein Herrenhaus eingeschlossen und ahnen zunächst nicht, dass es sich
bei dem Ganzen um eine Reality-TV-Show handelt. Versteckt zwischen schnellen Perspektivenwechseln werden den Lesenden hier die Lebensrealitäten ganz unterschiedlicher Menschen nähergebracht. Ihre teils sehr verwerflichen Handlungen werden so zumindest nachvollziehbar, wenn auch nicht immer verständlich. Statt einer actionreichen Handlung stehen hier die Personen im Vordergrund und die Gespräche, die sich zwischen ihnen ergeben. So werden unterschiedlichste Themen wie Misogynie, Politik, Elternschaft und nicht zuletzt Social Media thematisiert. Der Roman erhält somit einiges an Tiefgang, der bei der Betrachtung des Covers nicht unbedingt zu erwarten ist. Besonders für Liebhaber von eigenwilligen Charakteren und Handlungen stellt dieses Buch eine Leseempfehlung dar.
Agnes Schmidtner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Good Morning, Boys and Girls
Juli Zeh
Luchterhand (2025)
320 Seiten
fest geb.