Kanzlerkino

Während der 1980er-Jahre waren sie Freunde, Lutz Reinmer und Bernd Vomturm. Doch die Freundschaft hatte einen Makel. Lutz bespitzelte den aufmüpfigen Bernd für die Stasi. Nach seiner Flucht aus der DDR, 1989 über die Prager Botschaft der Bundesrepublik, Kanzlerkino fasst Bernd als Glasermeister schnell Fuß und knüpft Kontakte in die Politik, weil das Unternehmen, für das er arbeitet, auch für die Fenster im Kanzlerbungalow zuständig ist. Zu seiner Überraschung erhält Lutz nach langem Schweigen nun regelmäßig Post, in der Bernd ihm sein Leben im Umfeld des Kanzlers schildert. Dass diese Briefe indirekt auch an Lutz' Ehefau Sanna gerichtet sind, erfährt Lutz erst später. Für ihn ist bald klar, dass Bernd sich an Lutz für dessen IM-Tätigkeit rächen will. Bernd steigt – nachdem er dessen Schwägerin Erle geheiratet hat – zum persönlichen Referenten von Kanzler Breugel auf und soll in dessen Auftrag einen neuen Kanzlerbungalow im Osten entwerfen. – Bonné erzählt seine Geschichte aus einer Vielzahl von Perspektiven. Das familiäre Umfeld des Kanzlers rückt dabei ebenso in den Mittelpunkt wie die privaten Verhältnisse der beiden Freunde Lutz und Bernd. Immer wieder drehen sich die Schilderungen der Charaktere und ihre Beziehungen zueinander um Transparenz und Lügen – und um die Suche nach der Wahrheit im eigenen Leben. Der Roman lebt vor allem durch seine meisterhaft geschilderten Charaktere, deren Sehnsüchte und Ängste den Kern der Geschichte ausmachen. Ein zutiefst menschliches Buch, unaufdringlich und humorvoll.

Walter Brunhuber

Walter Brunhuber

rezensiert für den Borromäusverein.

Kanzlerkino

Kanzlerkino

Mirko Bonné
Schöffling & Co. (2026)

266 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 626281
ISBN 978-3-69097-019-8
9783690970198
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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