Im Morgenlicht
Die 11-jährige Silvia, genannt Sil, lebt in einem heruntergekommenen Hochhaus namens Morgenlicht an einem Ort namens „Island City“, der Flüchtlinge aus von Klimakatastrophen und Kriegen zerstörten Orten aufnimmt. Sil und ihre Mutter, die als
Hausmeisterin arbeitet und später als Wracktaucherin, wohnen bei Tante Ena, die Sil märchenhafte Geschichten erzählt, aber auch immer wieder an ihre verlorene Heimat und Sprache erinnert. So erlebt Sil ihre Umgebung als eine magische Welt. In der rätselhaften Bewohnerin des Penthouse sieht sie eine Zauberin und versucht, deren Geheimnis um ihre beiden Hunde zu lösen. Ein weiteres Geheimnis umgibt den Vater ihrer Freundin Mila, vor dem ihre Familie Angst hat. – Der autofiktionale Roman hat viele Bezüge zur Gegenwart: Zur Flüchtlingskrise, zum Klimawechsel sowie zur realen Zeitgeschichte wie den Grausamkeiten der Balkankriege. Die Autorin erzählt aus der Perspektive des Kindes das Schicksal einer Familie und verknüpft alte Mythen mit einer düsteren Zukunft. Eine berührende und spannende Mischung aus Coming-of-Age, Märchen und Dystopie.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Im Morgenlicht
Téa Obreht ; aus dem Englischen von Bernhard Robben
Rowohlt Berlin (2024)
347 Seiten
fest geb.