The glass girl
Die 15-jährige Bella, die es immer allen recht machen will und die ungerne auffällt, fühlt sich im Alltag oft überfordert. Die ständig streitenden Eltern und deren Scheidung, die Sorge um die kleine Schwester, die wie sie eine Woche beim Vater
und eine Woche bei der Mutter wohnt, der Tod der geliebten Großmutter, die Herausforderungen in der Schule und die überraschende Trennung von ihrem Freund erzeugen einen ständigen Druck, den sie kaum aushalten kann. Durch das Beispiel ihrer Großmutter daran gewöhnt, dass Alkohol ihre düsteren Gedanken perfekt betäuben kann, greift sie immer häufiger zu einer für ihr Umfeld unauffälligen Mischung aus Limonade und Wodka, lügt ihre Familie und Freunde an und ist trotz allem fest davon überzeugt, kein Alkoholproblem zu haben und jederzeit aufhören zu können. Erst ihr Totalabsturz auf einer Party, nach der sie mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landet, bringt die Wende. In einer Entzugseinrichtung für Jugendliche versucht sie die ersten Schritte aus ihrer Abhängigkeit, die sie auch hier lange nicht anerkennen will. Immer wieder wird sie während ihrer Therapie und auch nach dem Ende ihres Klinikaufenthalts Rückschläge erfahren. Sie findet aber auch professionelle Unterstützung, zugewandte Menschen und Halt bei Freunden, die sie auf einen Erfolg bei ihrem lebenslangen Kampf gegen die Sucht hoffen lassen können. – Der amerikanischen Autorin gelingt ein eindringliches und sehr authentisches Portrait einer jugendlichen Alkoholabhängigen. Aus der Perspektive der sensiblen Protagonistin konfrontiert sie junge Leserinnen und Leser schonungslos mit den Folgen von Alkoholismus, Kontrollverlust und Abhängigkeit, erzählt aber auch voller Empathie vom mühsamen Ringen um einen suchtfreien Alltag und der Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
The glass girl
Kathleen Glasgow ; aus dem amerikanischen Englisch von Barbara König
Fischer Sauerländer (2025)
526 Seiten
kt.