Von Menschen
Bernard und sein Cousin Rabut sind Veteranen aus dem Algerienkrieg und leben 40 Jahre später in einem französischen Dorf, ohne je über ihre Erlebnisse gesprochen zu haben. Bernard hat es allerdings nicht geschafft, ein “normales” Leben zu führen;
er ist Alkoholiker und verwahrlost. Doch anlässlich des Geburtstages seiner Schwester reißt er sich zusammen, macht ihr ein teures Geschenk und rastet dann – aufgrund der Nachfrage, woher das Geld stammt, völlig aus, geht zu seinem Nachbarn, einem arabischen Algerier, mit dem er seit Langem friedlich zusammenlebt, und bedroht die Familie. Nur Rabut weiß, was hinter diesem Ausraster steckt: die schrecklichen grausamen Erlebnisse der jungen Männer, die nach Algerien geschickt wurden, um zu kämpfen, ohne zu verstehen, worum es ging. Rabut lässt in einem inneren Monolog die Zeit wiederauferstehen, all’ die blutigen Kämpfe, die Hitze, die Sinnlosigkeit und die Zweifel, und auch die Ängste der jungen französischen Männer. Der Autor zeichnet ein intensives Bild der Zeit, als arabische Algerier für ihre Unabhängigkeit von Frankreich kämpften und algerische Franzosen sich plötzlich heimatlos und angefeindet sahen, während junge Soldaten einen blutigen Kampf führen mussten. Diejenigen, die zurückgekehrt sind wie Bernard und Rabut haben versucht, den Horror zu verdrängen. Ein äußerst eindringliches und ergreifendes Buch über den Krieg, der nach dem Krieg weitergeht. Unbedingt empfehlenswert!
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Von Menschen
Laurent Mauvignier ; aus dem Französischen von Annette Lallemand
Verlag Klaus Wagenbach (2023)
300 Seiten
kt.