Sommer in Wien
Im Sommer 1912 darf Marie, das Kindermädchen der Familie Arthur Schnitzler, mit in den Urlaub nach Italien fahren. Tief beeindruckt vom Meer schreibt das einfache Mädchen vom Lande eifrig Briefe an Oskar, den Buchhändler ihres Herzens in Wien. Dieser
besucht auf Bitten ihres Vaters Fanni Gold, die das Titanic-Unglück psychisch schwer angeschlagen überlebt hat. Der angesehene Buchhändler Gold hätte den tüchtigen Oskar gerne als Schwiegersohn gewonnen, doch dessen Herz gehört Marie. Zurück in Wien freundet sich diese mit ihrer vermeintlichen Konkurrentin an. Ihre Besuche im Sanatorium tragen wesentlich zu Fannis Genesung bei und sind auch Marie eine willkommene Abwechslung zu ihrem Arbeitsalltag, der sie sonst ganz vereinnahmt. Nur selten sieht sie Oskar. Ihre Gedanken für eine gemeinsame Zukunft werden nach einem Vorfall zu Beginn des neuen Jahres schneller konkret als erwartet. - Die unschuldig-leichte Beziehungsgeschichte von Marie und Oskar erhält nach dem "Winter" und "Frühling" in Wien (siehe BP/mp 17/115 und 18/659) eine inhaltlich wenig überraschende Fortsetzung. Der schmale Roman endet etwas abrupt mit dem Attentat auf den Thronfolger Österreich-Ungarns im Sommer 1914 und lässt einen abschließenden "Herbst" erwarten. - Leserinnen und Büchereien vor allem zur Ergänzung der Vorgängerbände empfohlen.
Barbara Sckell
rezensiert für den Borromäusverein.

Sommer in Wien
Petra Hartlieb
DuMont (2019)
172 S.
fest geb.