Wenn die Sonne untergeht
Thomas Mann geht baden. Er tut dies im Sommer 1933 in seinem Exil in Sanary-sur-Mer tatsächlich – ganz gegen seine Gewohnheit – täglich. Gut, mit Gummischuhen und nur die Beine, aber immerhin. Während in der Heimat die Nationalsozialisten ihre
Macht ausbauen, ist die Familie um den Nobelpreisträger eher zufällig in Südfrankreich gelandet. Mit ihr eine große Zahl an Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen. Hier, wo das Leben übersichtlich und nicht allzu teuer ist, schreibt man Romane und pflegt seine Affären. Auszüge aus bisher unveröffentlichten Tagebüchern zeichnen ein Bild der Familie Mann, in dem die Kinder um die Aufmerksamkeit und Gunst des Vaters kämpfen und die Eltern nichts mehr zu fürchten scheinen als den gesellschaftlichen Abstieg. Dazu kommt die Sehnsucht nach der Heimat und die Frage, ob man sich politisch zu den Zuständen in Deutschland äußern soll. Mit ruhiger Stimme nimmt Stephan Schad uns mit in den flirrenden Sommer Südfrankreichs und trifft den Ton des trockenen Humors des Autors vortrefflich. Ein Hörbuch für Thomas-Mann-Fans und Geschichtsinteressierte.
Barbara Dorn
rezensiert für den Borromäusverein.
Wenn die Sonne untergeht
Florian Illies ; gelesen von Stephan Schad
argon hörbuch (2025)
2 mp3-CDs (circa 510 min)
mp3-CD